BannerHead_Mein-Tagebuch

Mai 2014

Im Europawahlkampf 2014 gilt es jeden Tag,

unsere Plakate in und um Paderborn zu kontrollieren, das gehört zum morgendlichen Pflichtprogramm. Ich schwinge mich auf das Rad und radele einmal um den Innenstadtring. Sind alle unsere Plakate unbeschädigt? Ja, in Paderborn bei den A1 Plakaten alles ok, in Tudorf leider nicht. Jeden Morgen auf`s Neue bricht dann aber der Lehrer in mir durch, denn ich stolpere über das Thema "Bildbetrachtung", über die CDU Plakate: mmh- was will uns der Autor damit sagen: "Echt Dreier"? Grenze ich diese Worte im Sinne der Dialektik ab, muss ich klären, was ist "nicht echt oder falsch"? Gibt es Dreier in "unecht" und in "echt", gibt es einen "falschen" und einen "echten" Dreier? Ist der Plakat Dreier der "echte" und der nicht Plakat Dreier der "nicht echte"? Dann müsste der wirkliche Dreier also ein "falscher" sein. Oder noch kürzer: ist der reale Dreier ein falscher und der Plakat Dreier echt? Soll ich dem realen falschen Dreier als Kandidat den Auftrag geben, Bürgermeister sein zu sollen? Schwierig, äußerst schwierig zu klären, was denn die lokale CDU von ihrem Bürgermeisterkandidaten Dreier hält. Dreier ist echt. Analog dazu der Landrat, das ist einfacher: Das Bild zeigt einen Mann Müller, über dem Bild lese ich Landrat. Also ist dieser Herr Müller in seiner politischen Rolle "Landrat". Klar, habe ich verstanden. Über dem Herrn Dreier lese ich aber "echt", also ist dieser Mann in seiner politischen Rolle "echt", in einer anderen Rolle also etwas anderes als "echt", - hallo, geschätzte CDU Kollegen, geht`s noch?

Und dann dieses Herr Brok Plakat; ein faltiger und wohlgenährter älterer Herr ist "unsere Stimme in Europa". Warum sagt dieser Mann auch hier nichts? Hat der etwas zu sagen? Ich habe noch nie etwas von "unserer Stimme" in Europa gehört - und ich bin häufig in Europa unterwegs. Kann sich jemand an etwas erinnern, was "unsere Stimme" gesagt oder geschrieben hat? Ich nicht.

Aber über allen trohnt sie. Photoshop geliftet und gereinigt lächelt sie jünger, mütterlich und mild und meint dann tatsächlich "Gemeinsam erfolgreich in Europa". Sie erklärt mir morgens auf nüchternem Magen "In Europa sind wir gemeinsam erfolgreich." Lebt diese Frau in einem anderen Europa? Gibt es keine Probleme in Europa? Gibt es eine Krise in Europa? Was ist der gemeinsame Erfolg? Eine solche Lüge, das ist dreist. Von welchem Europa spricht diese Frau? Ja, das Europa ist in seiner Entwicklung ein erfolgreicher Kontinent, seine Unterschiedlichkeit hat eine erfolgreiche Entwicklung in den letzten 60 Jahren ermöglicht.

Den Schweizern geht es gut und damit das so bleibt, wollen sie lieber nicht in die EU. Die Deutschen sollen die Gewinner in der EU sein, weil viele Menschen weltweit deutsche Autos kaufen wollen. Ich bin aber nicht ein Eigentümer dieser Automobilwerke, habe also keinen Gewinn daran, wenn mehr Daimler, BMW und Porsche durch die Welt fahren. Als deutscher Steuerzahler helfe ich aber dabei, wenn Menschen in anderen EU Ländern diese Autos kaufen wollen, denn ich trage meinen Steueranteil Bürgschaft für die Kredite, die vergeben werden, damit diese Autos gekauft werden. Ich bürge für die Kredite anderer, die dann zum Beispiel ihr Haus am Mittelmeer mit Mercedes vor der Tür erwerben.

Den Briten ist das alles zu suspekt, sie überlegen, ob sie nicht besser ganz aus der EU ausscheiden sollen; klug, wie sie manchmal sind, haben sie früh gesagt  "Macht ihr mal mit eurem Euro, wir schaun uns das erst einmal an." Aber auf unserer Insel wollen wir lieber weiterhin mit dem britischen Pfund zahlen."

Unsere Euro Sparzinsen sind verfallen, für`s Alter vorsorgen? Die Inflation ist höher als der Sparzins. Ich schaue zu, wie mein Geld weniger wert wird? Sollte hier irgend etwas doch nicht so recht stimmen? Lese ich nicht täglich, dass der "Süden" unter unserem Spardiktat leidet? Was meint diese Frau bloß mit Erfolg?

Ja, ich erinnere mich, immer wenn ich in Madrid, Barcelona oder in einem anderen Ort irgendwo an der spanischen Küste bin, dann sehe ich, was sie da meinen könnte. Das ist Erfolg. So wohnen und leben die, die Erfolg haben. Nur - so schöne Uferpromenaden, so unglaublich schöne und gepflegte Innenstädte voller vergnügter Menschen gibt es in Deutschland eher nicht. Aber ich erinnere mich, da sollten wir ja auch  solidarisch sein und helfen, weil da in Spanien ja die Krise war. Gefunden habe ich sie dort aber nicht. Das, was ich gesehen habe, ist  ein enormer Wohlstand, eine sehr gepflegte Landschaft und eine unglaubliche Lebensqualität. Das alles aber finde ich in Deutschland nicht. Wir Deutschen sind da einfach zu kleinlich, wir regen uns über einen Flughafen und eine Elbphilharmonie auf. Fahr mal durch spanische schöne Städte und du wirst dich fragen, ob du deinen Augen noch trauen kannst. Da, wo man in Deutschland versucht, ebenso pharaonisch bauend erfolgreich  zu sein, in Berlin, Hamburg oder am Nürburgring zum Beispiel, enden wir im Chaos. Wo also ist der gemeinsame Erfolg? Mit meinen Augen und meinen Ohren aber bemerke ich, wo ich auch bin, Klagen, nichts als Klagen. Oder einfacher gesagt. Das Europa Bild dieser Frau besteht aus "tarnen, täuschen, tricksen". Selbst die Gleichsetzung von Europa und europäische Union ist falsch. Es ist einfach alles falsch gelaufen.

Das ist eine einzige Gehirnwäsche und Volksverdummung. Wie heißt es so treffend: Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient hat. Aber - wir arbeiten d`ran. !

 

 

Warum die „Alternative für Deutschland“, warum AfD-Paderborn?

 

Früh bin ich in die AfD eingetreten, weil endlich jemand Anfang 2013 öffentlich aussprach, dass wir Bürger in Deutschland in einer Art Gehirnwäsche systematisch getäuscht werden. Europa sei ein Hort des Friedens, der Sicherheit, des stabilen Wohlstandes, wir sollten es allen anderen Ländern in Europa in einer europäischen Union ermöglichen, sich uns gleich zu entwickeln: Wohlstand für alle. Eine ideologische Utopie. Verträge wurden unterzeichnet, alles wird sich im neuen Europa so entwickeln, wie es unsere Vorgabe sein sollte. Die EZB wird eine Kopie der Bundesbank. Nie wurden so viele Verträge gebrochen, und zwar ohne jede Konsequenz, wie bisher in Brüssel. Immer neue Versprechungen – niemand aber hatte ein Ziel zu formulieren gewagt: Ein Bund souveräner Staaten? Ein Staatenbund nicht mehr souveräner Länder?

Wie mit Spielgeld wurden in einer inflationären Geldpolitik ohne jedes Maß, wozu brauchte es noch die Sorgfalt einer Geldmengensteuerung durch die Bundesbank, Staaten verführt, sich auf eine bisher unvorstellbare Art von Staatsverschuldung einzulassen, als wenn es kein Morgen mehr gäbe. Sozialpolitische Ansprüche aller europäischen Bürger wurden durch Vorgriffe auf erst später möglichst von anderen zu erwirtschaftende Ressourcen hemmungslos zu befriedigen versucht. Viele Menschen entwickelten im neuen politischen Europa einen Anspruch auf einen grenzenlosen Konsum: ich will alles, ich will es jetzt, ich habe ein Grundrecht auf meinen Mercedes. Jede Bank gab jeden Kredit, anfangs auch mit einem 0 % Darlehen.

Heute nun könnte jeder nicht nur in Deutschland erkennen, dass der Euro nicht den Frieden sichert, alte Streitereien brechen in allen Ländern wieder auf, wir bevorwurfen uns wieder wie in alten Zeiten;  der Euro spaltet Europa, ruiniert die überschuldeten Südstaaten und schadet unserem Land durch einen unvorstellbaren Vermögenstransfer. In einem tönernen Gebäude unglaublicher Lügenmärchen werden der deutschen Bevölkerung Solidaritäts- und Schuldgefühle vermittelt, die an Gewissenlosigkeit nicht zu überbieten sind. Wer haftet von diesen Politikern der Altparteien eigentlich für diese Volksverführung?

Die Gründungsgeschichte zeigt,  die AfD war ursprünglich mit Prof. Lucke an der Spitze eine Ökonomen-Partei, die gegen den Euro beziehungsweise die Euro-Rettung zu Felde zog. Die Grundposition war, dass diese Euro Rettung Deutschland schadet, und zwar bis in seine ökonomische Existenz hinein. Diese These war nicht neu, vielmehr wurde sie von vielen Ökonomen und weiten Teilen der deutschen Wirtschaftspresse schon lange vor der Gründung der AfD vertreten. Daran hat sich auch nichts geändert. Ein Blick in die damalige Presse:  „Draghi und die Wunderlampe“, „Wie der Euro Streit sät“, „Der Euro sät Zwietracht“, „Deutschland schenkt Griechenland Milliarden“.

Der These, dass es Deutschland gut geht, wurde und wird vehement widersprochen, im Moment zu selten mit Bezug auf die aktuelle Gegenwart, aber ganz sicher mit Blick auf die Zukunft. Denn dort drohen Inflation und Hyperinflation sowie massive Zahlungen an die Gläubiger der Schuldnerländer der Eurozone, wenn die Risiken der Euro-Rettung eintreten. 

Der Euro ist ein Friedensprojekt und bringt in Europa allen Menschen den Wohlstand lese ich seit Jahren als fast schon absolute Wahrheit. Die AfD spielt diese Melodie nicht mit, sie will vielmehr, dass die „wirtschaftliche Vernunft“ endlich wieder Gehör findet.

Natürlich erklärt die Diskussion schwieriger ökonomischer Zusammenhänge nicht alles. Doch mit Bezug auf die Ökonomie kann man es auch so ausdrücken: Deutschland verlor nach 1929 mit einer falschen Wirtschaftspolitik durch Massenarbeitslosigkeit, Depression und Deflation erst die Demokratie, dann die Marktwirtschaft und schließlich den Frieden. 

Wir brauchen die ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND, weil sie die einzige Partei war/ist    ( Inzwischen klaut die CSU einer diebischen Elster ähnlich der AfD die eurokritische Position – immer getreu dem Motto „Lieber schnell alle Protestwähler zur CSU als zur AfD!“- darum ja dieser Herr Gauweiler! ), die gegen diesen Eurowahnsinn ihr Veto einlegte und dann später zumindest noch gegen den Rettungswahnsinn protestierte. Ich hoffe, dass wir den ersten Programmpunkt des Wahlprogramms vom 14.4.2013 nicht vergessen, nur um an den Tisch der politischen Macht zu kommen:

„Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro.“

Wegen dieses einen Satzes trat ich aus sachlicher Überzeugung in die AfD ein, und zwar aus Sorge um ein friedliches Europa. Die dreiste Apodiktik der Alternativlosigkeit zwang mich aufzustehen, zwang mich in die AfD. Meinen Kindern war ich es schuldig. Warum sollen sie später unsere jetzige Maßlosigkeit bezahlen? Frau Merkel ist quasi die Mutter der AfD.

Meiner privaten Meinung nach muss sich die Bundesführung im Europawahlkampf-programm klarer und damit auch besser festlegen, warum die Menschen im Lande die AfD wählen müssen. Die AfD täte sehr gut daran, sich wieder zur  Position durchringen „Der Euro ist gescheitert. Der Euro spaltet Europa. Das Euro System muss aufgelöst werden. Damit der Frieden nicht gefährdet wird.“

In diesem Zusammenhang ist es sehr erfreulich zu verfolgen, wie Herr Lucke der Bundesregierung nachweist, wie am Beispiel Griechenland betrachtet nicht nur die bundesdeutsche Bevölkerung getäuscht wird. Die griechische Regierung unter Samaras braucht gegen die rebellische griechische Opposition Erfolgsmeldungen, damit bewiesen werden kann, dass die griechische Bevölkerung zu Recht an die EU glauben soll. Die Strategie ist: der Euro darf keine schlechte Presse bekommen, koste es was es wolle. Merkel ist der strahlende photoshop gestylte fast jugendlich wirkende mütterliche Souverän: vertraut mir, alles ist  meinen faltenlosen Plakataugen bestens organisiert – alles ist gut. Unglaublich! Sie kommt damit durch, niemand in Deutschland widerspricht laut und deutlich. Wir brauchen eine alternative Position zur alternativen Rettungspolitik Merkels. Ich hoffe auf den heutigen Tag in Köln, vielleicht wird zumindest der Protest endlich laut. Und dann braucht es eine Erklärung: Wir wollen einen anderen Weg gehen, sodass die Menschen im Lande sagen können: Warte, wir kommen mit!

Warte, wir wollen da rein!  In die Kommunalpolitik, in die Kreistage und Rathäuser.

Diese Sorge habe ich auch, wenn ich auf den städtischen Frieden exemplarisch in unser inzwischen „erstklassiges“  Paderborn schaue. Proteste, nichts als Proteste. IG-Innenstadt-Ost, Dahler Windinitiative, Bürgerproteste wegen der maßlosen Straßenaufhübschungen und den damit verbundenen Kosten für die Anlieger, clevere Windbarone versprechen den Gemeinden, dass die Wertschöpfung in der Gemeinde bleibe, Vereine und ganze Dorfgemeinschaften werden mit Geldgeschenken verwöhnt und und und. Engagierte Bürger aber sind klug genug und fordern Mitsprache, fordern mit zu entscheiden. 

Warum haben die Altparteien Angst vor den Bürgern der Stadt? Wenn gewählt wird, sprechen sie alle von Bürgernähe. Sie meinen dann damit, dass Bürger besser zu informieren sind, gestört aber möchte Politik in Rathaus und Verwaltung nicht werden. Engagierte Menschen eines Stadtviertels oder von Interessengemeinschaften werden lieber als Wutbürger denunziert, man brauche aber die besseren Mutbürger, die an die städtische Politik glauben.

Wutbürger? Von wegen! Unsere Stadt und auch unser  Land brauchen nicht weniger Proteste, sondern es braucht mehr davon. Nur durch permanente Kritik bleibt die Demokratie lebendig.

Wie heißt es im Wahlprogramm der Alternative für Deutschland, vorgestellt am Gründungsparteitag 14.4.2013 in Berlin:

“Wir setzen uns dafür ein, dass auch unkonventionelle Meinungen im öffentlichen Diskurs ergebnisoffen diskutiert werden, solange die Meinungen nicht gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen.”

Menschen wie ich denken, sind also auch kritisch und nicht unbedingt nur gläubig. Ich bin ein Mutbürger mit dem Mut zur Wahrheit. Nicht nur Paderborn braucht viel mehr Mutbürger.

( Knaup Mai 2014 )