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Bildung

Bildungspolitik in der Schule

 

Lernen heißt:  wir lernen immer, egal in welchem Alter. Die Jungen von den Alten und die Alten von den Jungen. Wir lernen ein Leben lang.

Wichtig ist, dass jeder lernen will. Wichtig ist, dass jeder auf seine eigene Art und Weise lernt.  Es muss und kann nicht jeder gleich sein, denn jeder von uns war in der Schule und weiß aus eigener Erfahrung, dass Schüler in einer Klasse sehr unterschiedlich sind, und das gilt nicht nur für den Sportunterricht.

Fakt ist: Kinder aus Familien mit sehr geringem Einkommen haben nicht nur in Deutschland keine sehr guten Zukunftschancen. Schon wenn sie in die Schule kommen, sprechen sie im Durchschnitt schlechter Deutsch, haben mehr Probleme beim Zählen und können sich schlechter konzentrieren als Gleichaltrige aus bessergestellten Familien. Fünf Jahre nach der Einführung eines ziemlich mangelhaften Förderprogramms ( “Teilhabepaket“ ) haben sich die große Koalition und die Länder bürokratisch-administrativ damit eingerichtet, ein weiteres Bürokratie Monster ist entstanden. Bloß die Kinder haben wenig davon. 

 

In aller Kürze

 

Gut tut uns ein weit gegliedertes Schulangebot, um so mehr Bildung und Chancengleichheit zu garantieren.
Ein gegliedertes Schulsystem mit vielfältigen Umstiegsmöglichkeiten muss erhalten bleiben und auch genügend gefördert werden. Wenn möglich kann der Weg zum Studium als Wahlangebot in G 9 oder auch G 8 in verkürzter Oberstufe angeboten werden.

Schüler brauchen Zeit und Ruhe, sie wollen dabei gefördert und auch gefordert werden. Gemeinsames Lernen ( Inklusion ) als Wahlangebot nur in Einzelfallprüfung, wenn alle Beteiligten das wollen und auch können. Wir Menschen haben unterschiedliche Begabungen und Interessen. Eine berufliche Ausbildung ist eine sehr gute Alternative zum Studium. Die Erwachsenenbildung in Ihren Institutionen, wie Fachhochschule, Volkshochschule, aber auch integrative Angebote sollten gefördert werden, die Nutzung noch mehr Menschen besser zugänglich gemacht werden.

 

Im Einzelnen

 

Grundsatzerklärung: Bildung ist wichtig - je früher, desto besser. Unsere Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind das Wertvollste, was wir haben. Von ihrer bestmöglichen Förderung profitieren nicht nur sie selbst, sondern letztlich wir alle. Sie haben ein Recht auf Bildung, und zwar kostenfrei!

 

Vorschulische, schulische und berufliche Bildung gründen auf den bildungswirksamen Voraussetzungen familiärer Erziehung, sie muss daher konsequent in jeder Hinsicht unterstützt werden. Kindergarten, Schule und Ausbildung benötigen exzellente Ausbilder; Erzieher und Lehrer müssen die gebührende Wertschätzung und Professionalisierung erfahren. Unsere Ausbildungsstätten müssen ausreichend finanziert werden. Bildungspolitik darf nicht von oft nur vermeintlichen wirtschaftlichen Sachzwängen abhängen.

Das Bildungssystem hat auch den Erziehungsauftrag, Kinder und Jugendliche gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten zu lebenstüchtigen Menschen zu machen. Dazu braucht es u.a. mehr Ruhe, Zeit und kleinere Klassen, damit der einzelne Schüler auch eine reale Chance hat, individuelle gefördert zu werden.

Wir wollen in einem gegliederten Schulsystem ( „Viele Wege führen nach Rom.“ ) eine ganzheitliche Bildung statt fragmentierter „Kompetenzen“. 

Bildungsgerechtigkeit bedeutet, dass jeder zu bildende Mensch – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder anderen Faktoren – genau das individuelle Ausmaß an Bildung bekommt, das er braucht, um seine Fähigkeiten optimal entfalten und anwenden zu können. Im Gymnasium sollen Schüler je nach Begabung eine Wahl für die Oberstufe zwischen G 9 und G 8 haben. 

Anmerkung: Die „super Fitten“ konnten auch schon früher eine Klasse überspringen und damit ihre Schulzeit verkürzen.

 

Eine einseitige Fixierung von Bildungspolitik nur auf die höhere Schulbildung lehne ich ab. Eine klare Ausdifferenzierung und Profilierung der Ausbildungsangebote ist unabdingbar, das duale System der Berufsausbildung braucht eine besondere Förderung. Diese Differenzierung muss mit einer hohen Durchlässigkeit verbunden sein, um biographischen Entwicklungen Rechnung tragen zu können.

Bildungsgerechtigkeit kann nicht über zu kurz greifende, simplifizierende Zahlenwerte (PISA) definiert und simuliert werden, z.B. durch hohe Studierquoten oder Notenschnitte. Ich sehe das Individuelle, die Unterschiedlichkeit, die Heterogenität von Menschen als Wert und nicht als Problem.

Um die Startchancen aller zu optimieren, muss institutionalisierte Bildung möglichst früh einsetzen.  Ein Schwerpunkt hierbei liegt auf Erwerb und Ausbau angemessener Deutschkenntnisse in Sprache und Schrift. Ein anderer Schwerpunkt: Je früher Kinder mit Mehrsprachigkeit konfrontiert werden und auch aktiv damit umgehen lernen, desto flexibler wird ihre Sprachfähigkeit. Wenn es die Situation erlaubt und Kinder in der Familie früh mehrsprachig erzogen werden, ist das von großem Vorteil für allgemeines und insbesondere sprachliches Lernen.

 Ich bin überzeugt, es ist sicher kein Ziel des Bildungssystems sein kann, Begabungsunterschiede ausmerzen zu wollen, denn diese Unterschiede liegen in der Natur des Menschen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Schwächeren stärker werden, wenn die Stärkeren geschwächt werden.

 

Schulische Inklusion ( Gemeinsames Lernen ) ist als Möglichkeit grundsätzlich zu begrüßen, denn eine gemeinsame Beschulung kann von hohem Wert sein. 

Inklusion ist aber nicht bedingungslos, sie ist kein Selbstzweck. Sie muss dort ihre Schranken finden, wo sie den zu bildenden Menschen mehr schadet als nützt. Inklusion darf nicht auf Kosten der betroffenen Kinder geschehen. Gymnasien zum Beispiel führen zum Abitur und damit zur Studierfähigkeit. Gemeinsames Lernen in Gymnasien ohne die Chance oder ohne diese Absicht ( zieldifferentes gemeinsames Lernen ) ist aus pädagogischen Gründen nicht zu verantworten. Ist eine zielgleiche Inklusion möglich, sollte sie wie bisher auch umsetzbar sein. Ich habe blinde, sehr stark gehörgeschädigte und auch autistische Schüler gesehen, die ihren Weg zum Abitur sehr wohl geschafft haben. Durch eigenes Erleben weiß ich wovon ich rede und schreibe.

 

Abschlüsse im Bildungswesen müssen wieder aussagekräftig werden und Leistung muss sich lohnen. Gerade soziale Aufsteiger müssen sich über Leistung definieren können; entwertete Qualifikationen betrügen sie mehr als andere um die Frucht ihrer Anstrengungen.

An der Realität gemessene wertlose Abschlüsse führen zu Frustration und zum Scheitern in der weiteren Ausbildung. Soziale Gerechtigkeit ist nicht mit verwässerten Anforderungen zu simulieren.  Bewährte nationale Ausbildungsgänge sollten nicht ohne Not aufgegeben werden.

 

Reformen im Bildungswesen dienen grundsätzlich den Interessen der Betroffenen und dürfen nicht Spielball politische Ideologien sein. Sie müssen viel sorgfältiger und realitätsorientierter geplant und umgesetzt werden als bisher. Eine bundesweit vereinheitlichte Schulpolitik mit verbindlichen Bildungsstandards ist in Deutschland dringend erforderlich.

Schulische Bildung: Ich unterstütze die nun folgende ALFA Position.

Das Leistungsprinzip muss wieder gestärkt werden. Kinder wollen sich beweisen, streben nach Wettbewerb. Ohne Leistungsprinzip werden die Kinder dieser Motivationsgründe beraubt. Es gibt keine Bildung ohne Anstrengung. Nicht nur Fördern, sondern auch Fordern führt zu akzeptablen Leistungen und Abschlüssen. Dies gilt grundsätzlich für alle Schulformen. Neben Begabung und Neigung ist jedoch ganz besonders beim hohen Lernniveau des Gymnasiums eine überdurchschnittliche Lern- und Leistungsbereitschaft erforderlich.

Vergleichbarkeit von Abschlüssen ist nicht durch Prüfungsvorgaben oder Jahrgangsstufentests zu erreichen, sondern durch Aufnahmeprüfungen der nächsthöheren Bildungseinrichtung. Dadurch wird auch die allgegenwärtige Noteninflation beseitigt. Die Entscheidung über eine Aufnahme treffen also z.B. die Gymnasien eigenständig unter Berücksichtigung des Elternwillens und der Ergebnisse objektiver Leistungstests.

Die Grundschule muss Schülern grundlegende schulische Lernfertigkeiten vermitteln. Dazu soll eine flexible Eingangsphase eingerichtet werden, die nach individueller Entwicklung des Kindes ein bis drei Schuljahre dauern kann. Schüler mit frühzeitig ausgeprägten Fertigkeiten können diese Phase bereits nach einem Jahr abschließen und in die dritte Jahrgangsstufe aufrücken. Schüler mit Defiziten in ihrer sozial-emotionalen oder kognitiven Entwicklung zum Einschulungszeitpunkt können in dieser dreijährigen Schuleingangsphase intensiver und nachhaltiger gefördert werden, um diese Defizite bis zum Wechsel in die dritte Jahrgangsstufe auszugleichen.

ALFA spricht sich für ein differenziertes Schulsystem aus. Nur dadurch wird man den individuellen Schülerpersönlichkeiten gerecht und garantiert eine qualifizierte Schulbildung. Jede Schullaufbahn führt zu Qualifikationen, die der Absolvent durch transparente und valide Abschlussprüfungen dokumentiert. Die Durchlässigkeit ist in der Praxis (nicht nur formal) zu erhöhen.

Differenzierte Bildungsprofile sind im Sinne der Individualität der Schüler und des Ausbildungszwecks zu erhalten. In jedem Fall müssen Abschlussziele (z.B. Hochschulreife, Ausbildungsfähigkeit) beachtet und die dazu erforderlichen Inhalte vermittelt werden.

Das Bildungsziel der Haupt-, Mittel- oder (Werk-)Realschule ist die Qualifikation zur Berufsausbildung. Die Konzeptlosigkeit der etablierten Parteien hat diese Schulformen zu „Restschulen” werden lassen, die ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen können. ALFA verlangt ein flächendeckendes Angebot von eigenständig profilierten Schulen für überwiegend praktisch-handwerklich begabte Schüler, die frühzeitig mit den Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben kooperieren und verzahnt sind. Wir befürworten eine Übergangsmöglichkeit von der Haupt- zur Realschule nach der 6. Klasse, um Spätentwickler besser zu fördern und Lernmotivation in der Hauptschule zu erhalten.

ALFA verteidigt das Gymnasium als die primär auf ein wissenschaftliches Studium vorbereitende Schulform gegen alle Versuche, sie in einer Einheitsschule untergehen zu lassen. Die Gymnasien dürfen nicht mit ihrem Auftrag widersprechenden Bildungsaufgaben überlastet und anderen Schulformen gegenüber, insbesondere den Gesamtschulen, nicht weiter benachteiligt werden. Als Standarddauer schlägt die ALFA neun Jahrgangsstufen vor (5-13), die von leistungsstarken Schüler in so genannten D-Zügen um ein Jahr verkürzt werden können. Die Einführung des G8-Systems hat keine Leistungsverbesserung der Schüler erbracht, jedoch die Möglichkeit zur umfassenden auch außerschulischen Bildung und sportlicher Entwicklung beeinträchtigt.

Privatschulen, die zur Einhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der staatlichen Lehrpläne verpflichtet sind, tragen zur Abrundung und Ergänzung des Bildungsangebots bei. Sie sollen weiterhin staatlich gefördert werden.

Ganztagsklassen oder -schulen ergänzen das gewachsene Halbtagsschulsystem dort, wo es von Eltern gewünscht oder benötigt wird. Die Gewährleistung einer hochqualifizierten Hausaufgabenbetreuung ist hierzu zwingende Voraussetzung. Schüler sollen die Hausaufgaben ordnungsgemäß fertigstellen können, bevor sie in den Feierabend und ihre außerschulische Freizeitgestaltung entlassen werden. Eine die allgemeine soziale, emotionale, sprachliche und motorische Entwicklung unterstützende Nachmittagsbetreuung soll einkommensunabhängig zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollen Schüler mit besonders deutlichen Defiziten zur Teilnahme verpflichtet werden können.

Das hochwertige, breitgefächerte deutsche Förderschulsystem muss erhalten bzw. wieder ausgebaut werden. Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben ein Recht auf Bildungschancen, die ihrem Entwicklungsstand ihren Begabungen und Motivationen entsprechen sowie einen Schutzraum, der ihrer Entwicklung gedeihlich ist. Der Verschiedenartigkeit der geistigen, körperlichen und seelischen Behinderungen muss individuell unter Berücksichtigung des erforderlichen Betreuungsschlüssels begegnet werden. Die Teilhabechancen dieser Kinder sind zumeist in Förderschulen besser realisiert als bei Inklusion; siehe dazu auch das Kapitel Arbeit und Soziales.

ALFA befürwortet verantwortungsvolle Inklusion dann, wenn das betreffende Kind mental und sozial in der Lage ist, am Unterricht der entsprechenden Regelschule erfolgreich teilzunehmen, ihm dadurch Bildungsvorteile, den Mitschülern aber keine Bildungsnachteile entstehen. Eine entsprechende institutionelle und personelle Ausstattung der Bildungseinrichtung ist zu gewährleisten.

Die Schule hat das zum Verständnis unserer Kultur und Gesellschaft nötige Wissen über Religionen zu vermitteln. Daher setzt sich die ALFA für einen verbindlichen Religionskundeunterricht ‒ und somit die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts ein. Erziehung zur Religiosität dagegen ist Sache der Eltern oder Glaubensgemeinschaften und keine staatliche Aufgabe.

 

Gesellschaftspolitischer Hintergrund

 

Immanuel Kant bestimmt in seiner oft zitierten Schrift »Was ist Auf­klärung?« diese als den »Ausgang des Menschen aus seiner selbst­verschuldeten Unmündigkeit«, und er nennt diese Unmündigkeit »selbstverschuldet«, wenn ihre Ursache »nicht am Mangel des Ver­standes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen«. Weil dieser Konditionalsatz so zwingend auf den eigenen Willen abzielt und in letzter Konsequenz in unserer heute vorherrschenden Pädagogik sehr viel Unruhe erzeugen würde, wird dieser entscheidendeHalbsatz gern unterschlagen oder zumindest vergleichsweise selten zitiert. Kant zielt hier nicht auf eine Umwelt oder äußere Freiheit, sondern auf den subjektiven Willen ab. Wo dieser eigene Wille fehlt, bleibt derjenige in einer selbstverschuldeten geistigen Unmündigkeit, in seinem Gefängnis im Kopf gefangen.

 

Vereinfacht gesagt: Du musst lernen wollen. Eine Menge Trainer notieren immer wieder: „Siegen beginnt im Kopf! Du schaffst das, wenn du willst.“ In der moderneren deutschen Popmusik gibt es Songtexte, die betonen, dass der Weg kein leichter sein wird oder aber der Hörer wird aufgefordert: „beweg deinen Arsch.“

 

Menschen können alles tun, wenn sie nur ausreichend motiviert sind. Auch ein Bildungserfolg ist von Motivation abhängig. Bildungserfolge teilen weit­gehend Lebenschancen zu. Natürlich sind alle Menschen kostbare Individuen und damit gibt es auch Unterschiede im natürlichen Lerntempo der Menschen, aber eine nennenswerte angebo­rene Lernhürde gibt nur für eine ganz kleine Gruppe von geistig Behinderten. Allen Übrigen kann vom angeborenen Potential her fast alles beigebracht werden. Praktisch jeder hat bei richtiger Bildung das Zeug zum Facharbeiter, Richter, Arzt oder Ingenieur. 

 

Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern haben es leichter, ihre Bildungsziele zu erreichen, wenn sie es denn wollen. Wer im Elternhaus Zugang zu Literatur, Computer oder Klavier hat, wer es gelernt hat, am gemeinsamen Tisch miteinander zu sprechen und gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Themen zu diskutieren, der hat es deutlich leichter als sogenannte „besondere Begabung“ seinen Weg im Bildungssystem erfolgreich zu gehen. Viele außergewöhnliche Karrieren lassen sich durch das Aufwachsen in privilegierten Lebensumständen erklären. 

 

Das beginnt nicht selten schon während der Schwangerschaft: Die Mütter aus sozial privilegierten Schichten rauchen nicht und trinken keinen Alko­hol. Außerdem kochen sie oft selbst und ernähren sich gesünder. Mütter aus unteren Schichten dagegen tun das alles oft nicht, sie leben deutlich ungesünder, und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen. Wegen aller dieser Umstände, an denen sie gar keine unmittelbare Schuld haben müssen, erfahren ihre Kinder schon im Mutter­leib ungünstigere Bedingungen.

 

Beispielhaft kann eine Betrachtung der über 12 Millionen Fremden sein, die seit 1987 nach Deutschland kamen. Aufgeklärte Iraner sind darunter, die vor Teherans Fanatikern flüchten; russische Juden, die dem Antisemitismus entkommen wollten, und Vietnamesen, die schon die DDR holte. Ihre Kinder schaffen sehr oft bessere Abiturnoten als der Nachwuchs des deutschen Bildungsbürgertums. Sie erfüllen die politökonomischen Kriterien des qualifizierten Einwanderers, der Lern- und Leistungsfähigkeit mitbringen sollte. Unter Kanadas Einwanderern erfüllen fast 100 Prozent dieses Kriterium, in Australien knapp 90 Prozent. Kanada wird zur ersten Nation, die bei den (oft chinesischen) Zuwandererkindern einen höheren Intelligenzquotienten (IQ) misst als bei den Alteingesessenen.

Zwischen Rhein und Oder hingegen liegen Migrantenkinder - von den begabten Ausnahmen abgesehen - tiefer unter dem einheimischen Leistungsniveau als irgendwo sonst auf der Welt. In den Pisa-Tests haben sie als Fünfzehnjährige 100 Punkte beziehungsweise zwei Lernjahre Rückstand. 44 Prozent dieses Fünftels der Bevölkerung bleiben ohne Berufsausbildung. „Die Zeit“ schrieb jüngst, dass für dieses Debakel die „Ursache noch niemand gefunden“ habe. Doch die Antwort ist einfach: Deutschland rekrutiert seine Einwanderer vorrangig nicht aus Eliten, sondern aus den Niedrigleistern des Auslands ( deren Nachwuchs schleppt die Bildungsschwäche weiter ), wohingegen man eben nur etwa 5 Prozent qualifizierte Einwanderer gewinnt.

Die deutsche politische Führung scheint fest entschlossen, weiter auf dem erfolglosen, immer teurer werdenden Weg der verfehlten Einwanderungs- und Sozialpolitik zu gehen. Aber- ich lese erste Forderungen nach einer geänderten Einwanderungspolitik. Mehr Geld für Sozialprogramme hilft dabei nicht einmal zur Bekämpfung der Symptome, wie der Politologe und Ökonom Charles Murray in seiner Studie „Losing Ground“ überzeugend dargelegt hat. Zwischen 1964 und 1984 erhöhte Amerika seine Ausgaben für Sozialhilfe sehr stark. Und doch stieg die Zahl der „Sozialhilfemütter“ und ihrer Kleinen von 4 auf 14 Millionen. Murray fasste diese Entwicklung in die Gesamtformel „Mehr Geld vermehrt Armut“. Seiner Meinung nach gilt: 

 

1. Die Bezahlung der Mutterschaft für arme Frauen führt zu immer mehr solchen Müttern. 

2. Die Kaschierung des Schulversagens ihrer Kinder durch Senkung der Anforderungen höhlt die Lernbereitschaft weiter aus. 

3. Die Entschuldigung der Kriminalität dieser Kinder - 10 Prozent der Jungen beziehen Sozialhilfe, diese begehen aber 50 Prozent der Verbrechen - als „Versagen der Gesellschaft“ treibt die Deliktzahl weiter nach oben. 

4. Die Abschaffung der Sozialhilfe wirkt für die Betroffenen hilfreicher als ihre Belohnung mit Quasiverbeamtung für immer mehr bildungsferne Kinder.

 

Schon im frühkindlichen Alter vergrößert sich eine Benachteiligung weiter, weil die sozial privilegierten Schichten mit ihren Kindern mehr spielen und reden und ihnen ein anregungsreicheres Umfeld bieten, so dass sich schon im zweiten und dritten Lebensjahr deutliche Unterschiede zeigt. Das Verantwortungsbewusstsein der privilegierten Schichten führt dazu, dass diese ihre Kinder auch schon im Vorschulalter in qualitativ gute Einrichtungen geben, in denen es gekochtes gutes Essen gibt, wo auch die anderen Kinder Deutsch sprechen und adäquate Spiel­partner vorhanden sind. 

 

So erstaunt es nicht, dass sich die Vorteile der Kinder von sozial Privilegierten bis zum Beginn der Schule weiter vergrößert haben: Sie haben mehr Vorwissen und einen besseren Sprachschatz. Wegen des ständigen Ansporns und manchmal auch Drills durch ihre ehrgeizigen Eltern ist auch ihr Sozialverhalten besser, so dass sie häufig bei den Lehrern beliebter sind. Weil sie sich öfter melden, werden sie auch öfter drangenommen. Außerdem achten ihre Eltern zu Hause darauf, dass sie die Hausaufgaben machen und ausrei­chend üben. Viele schicken ihre Kinder auch in ausländische Schulen, andere nehmen an Schüleraus­tauschprogrammen teil. So kann es sein, dass die einen mit 16 Jahren fließend Englisch reden, während die anderen Mühe haben, »I can't get no satisfaction« ins Deutsche zu übersetzen. Gerade Kinder aus asiatischen Kulturen fallen immer wieder überall auf der Welt durch ihre enormen schulischen Leistungen auf. Sie räumen regelmäßig alle erdenklichen Auszeichnungen in allen Bildungssystemen ab.

 

Bremsen wir nun besser all die privilegierten leistungsstraken Schüler aus, um die schwächeren zu stärken? Es ist völ­lig absurd, den Schwächeren damit helfen zu wollen, dass man die Stärkeren ihrer Möglichkeiten beraubt. In der politischen Bildungsdiskussion heute sehe ich: Einerseits soll das Lernen mit Begabten die Unbegabten fördern, andererseits wird heftig bestritten, dass das Lernen mit Unbegabten den Lernfortschritt der Begabten beeinträch­tigt. Die Forderung nach allgemeiner Inklusion potentiert dieses Paradoxon zusätzlich.

 

Es ist nicht möglich und auch nicht zielführend,  Unterricht gleichzeitig auf die Begabtesten und die Unbegabtesten auszurichten, jeder Betroffene wird auf seine Weise nur enttäuscht werden, die einen langweilen sich, die anderen fühlen sich überfordert und werden irgendwann scheitern. Schulische Anforderungen zu senken, dass 80 % aller Schüler die Chance haben, das Abitur zu erreichen, nutzt in der späteren Arbeitswelt niemanden. 

 

Vor dem Hintergrund wachsender Leis­tungsunterschiede gaben in einer Allensbach-Umfrage vom April 2013  42 Prozent aller Lehrer an, dass sie die Anforderungen an ihre Schüler in den letzten fünf bis zehn Jahren senken mussten. Fast jeder fünfte deutsche Jugendliche (und jeder zweite Hauptschüler) erfüllt nur die Grundanforderungen für einfache Lesetexte und ist damit für eine berufliche Ausbildung nicht ausreichend vorbereitet. Im Vergleich der deutschen Bundesländer zeigt sich zudem, dass die Leistungen der schwachen Schüler in jenen Ländern besonders niedrig sind, in denen das allgemeine Anforderungsniveau ebenfalls gering ist. Die Senkung von Anforderungen schadet offenbar dem Lernerfolg der starken und schwachen Schüler gleichermaßen, und sie dient nicht einmal der Verbesserung der Chancen der schwachen Schüler am Arbeitsmarkt.

 

Darum: Jeder braucht seinen Bildungsweg nach seinen Möglichkeiten. Eltern und Schüler sollen auswählen dürfen, welchen schulischen Weg sie gehen möchten. Wir brauchen ein mehrgliedriges unterschiedliches Bildungsangebot.  Nicht jeder muss studieren. Bildungswege außerhalb des Gymnasiums müssen wieder besser bewertet werden, berufliche Bildung darf nicht “implizit als minderwertig" betrachtet werden. Der enge Blick auf Abiturquoten mit inflationärer 1,0 Noten sagt nichts über den Bildungsstand im Land aus. Die Abbrecherquoten in den Unis sind hoch. Eine gute Berufsausbildung ist viel wert.

Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, wir brauchen auch Indianer.